Zitat von Dietrich Bonhoeffer

Je schöner und voller die Erinnerung, desto schwerer ist die Trennung. Aber die Dankbarkeit verwandelt die Erinnerung in eine stille Freude. Man trägt das vergangene Schöne nicht wie einen Stachel, sondern wie ein kostbares Geschenk in sich.

Sterben noch immer ein Tabuthema Tod als Teil des Lebens begreifen

Tod als Teil des Lebens begreifen
Von Karin Scheiffele

Monheim. „Über allen Gipfeln ist Ruh“ – die Zeilen des Dichters Joseph Freiherr von Eichendorff entfalten gerade in diesen Tagen eine besondere Bedeutung. November ist der Monat der Totengedenktage. Das neblig – trübe Wetter tut sein Übriges, Gedanken an Tod und Vergänglichkeit aufkommen zu lassen. Vertraut im Umgang mit dem „Thema“ Tod ist Frank Odendahl, Bestattungsunternehmer aus Monheim. Seit 1989 arbeitet Frank Odendahl mit im Familienunternehmen im Ortsteil Baumberg, hat im Laufe der Jahre schon einiges erlebt und erfahren. „Ich habe zwar täglich Umgang mit dem Tod, aber auch selbst irgendwie Angst davor“, sagt der Bestattungsunternehmer. Gerade in unserer Gesellschaft sei der Tod nach wie vor ein Tabuthema. „Keiner will schließlich gerne sterben. Ich kann aber darüber reden, Erklärungen geben, vielleicht auch manche Missverständnisse ausräumen.


Sich in Würde verabschieden


Wichtig sei für viele Angehörige vor allem die Möglichkeit sich in einem würde – und pietätvollen Rahmen von Ihrem Verstorbenen verabschieden zu können. Eine Akzeptanz des Todes sei zudem oft leichter, wenn bei der Aufbahrung noch ein letztes mal körperlicher Kontakt in Form eines Händedrucks oder einer Berührung möglich wäre, zumindest aber ein letzter Blick auf den Verstorbenen geworfen werden könnte. „Das letzte Bild bleibt im Gedächtnis“, wie Frank Odendahl aus der Trauerpsychologie weiß.
Aber auch der Besuch am Grab – gerade auch in diesen Tagen – sei notwendig für die Angehörigen und förderlich, den Tod des lieben Menschen annehmen und begreifen zu können. Nachfühlen könne man als Außenstehender eine solche Situation nicht, der Bestattungsunternehmer hält daher auch nichts von Mitleidsbekundungen dieser Art: „Die persönlichen Beziehungen und den Menschen selbst kannte man meistens nicht.“
Konstruktiv versucht der 30 – jährige Baumberger, mit seinen Erfahrungen umzugehen, gerade auch mit den Erlebnissen bei seiner Arbeit in Taiwan. Dort hatte er bei der Identifizierung von Erbeben – Opfern geholfen (die NRZ berichtete). Dies vermittelt er auch seinen Mitmenschen: „Der Tod gehört zum Leben. Er ist der unausweichliche Werdegang eines Lebens: Entstehen – Sein – Vergehen. Jedes Individuum, jede Pflanze ist dem unterworfen. Das ist der Lauf der Dinge.“

Mit der reinen „Abwicklung“ eines Trauerfalls ist es nicht getan

Der Bestatter ist Dienstleister und Psychologe in einem. Als Dienst am Verstorbenen und am Menschen sieht Bestattungsunternehmer Frank Odendahl seine Arbeit . Seit 1989 ist der 30 – jährige in der Branche. Der Beruf wurde ihm gewissermaßen in die Wiege gelegt: Schon sein Großvater war Bestatter, die Eltern und der Onkel führten das Familienunternehmen weiter. Ein anderer Beruf kam für den Monheimer auch nicht in Frage: „Ich habe zwar eine Meisterprüfung als Tischler gemacht, aber hauptsächlich wegen des kaufmännischen Teiles der Ausbildung“, so seine Auskunft.

Prüfung vor der Handwerkskammer


Warenkunde, Trauerfloristik, Kosmetik für den Verstorbenen standesamtliche Vorlesungen und auch Trauerpsychologie als Vorbereitung auf die Beratungsgespräche in der Praxis sind Teil der Ausbildung zum fachgeprüften Bestatter. Vor dem theoretischen Teil ist mindestens eine fünfjährige Erfahrung in diesem Beruf erforderlich, bevor man zur Prüfung zugelassen wird. Den Abschluß bildet ein dreiwöchiger Kurs als Vorbereitung auf die Bestatterprüfung vor der Handwerkskammer Düsseldorf. Besonderen Wert wird hierbei auf den Umgang mit den Angehörigen gelegt: „Mit am wichtigsten ist die fachgerechte und einfühlsame Beratung“, macht Frank Odendahl deutlich.
Der Beruf des Bestatters war Frank Odendahl aber nicht genug. Daneben hat er sich zum „Thanatopraktiker“ ausbilden lassen: Teils in Amerika, teils in Deutschland ließ er sich in der Kunst des Einbalsamierens unterweisen, der sogenannten Thanatopraxie. Mit Hilfe dieser Behandlungsmethode kann dem Verstorbenen sein natürliches Aussehen zurückgegeben werden, und eine längere Aufbahrung ist möglich. „Ich möchte mehr für die Angehörigen tun können, falls sie diese Art der Behandlung wünschen“, so der Thanatopraktiker.
Neben diesen „klassischen“ Feldern seines Berufes hat sich der 30 – Jährige aber auch zur Aufgabe gemacht, den Angehörigen als Hilfe und Stütze zur Seite zu stehen. Aufgrund gesetzlicher Regelungen sind heute bei einem Sterbefall viele Formalitäten zu beachten – von der Abmeldung bis zur Benachrichtigung der Sterbeversicherung. „Wir wollen den Angehörigen einen Teil ihrer Sorgen abnehmen“ so Frank Odendahl. „Wir fahren mit Ihnen auch schon mal zum Amt, um die Rente zu beantragen .“ Alles in allem eine sehr zeitintensive Arbeit, die psychologisches Feingefühl und Einfühlungsvermögen verlangt. „Es ist mein Anliegen, dass die Menschen bewusst mit dem Tod umgehen“, lautet das Credo des Bestattungsunternehmers, Große Bedeutung misst er neben seiner Arbeit deshalb auch der Bestattungsvorsorge zu. Dazu gehören neben Bestattungsvorsorge - Verträgen auch eine Bestattungskostenversicherung und Finazierungsmöglichkeiten. Beratung und Vorsorge werden in erster Linie von Inge und Brigitte Odendahl übernommen. Mit Vorträgen und Referaten versucht der 30 – jährige zudem, den Menschen die Angst vor diesem Thema zu nehmen.
Auch im Internet ist er neuerdings vertreten: Unter der Adresse „www.odendahl-bestattungen.de“ bietet er einen Informations - Service rund um das Thema Bestattung. „Vielleicht können wir über diese anonyme Zugriffsmöglichkeit den Menschen die Schwellenangst nehmen sich mit diesem Thema auseinander zu setzen“, ist seine Ansicht.


Aus Neue Rhein Zeitung vom 20.November 1999